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ZU MIR

"Ich war immer der mieseste im Kunstunterricht"

Ich konnte weder perspektivisch zeichnen, hatte keine Ahnung von Licht und Schatten und mehr Farben als Blau, Gelb, Rot und Grün kamen in meinen Bildern nur selten vor. Meine Idee von Kunst kam so schlecht an, dass es regelmäßig Vieren, Fünfen und auch mal eine Sechs gab. Danach würde ich nie irgendwas mit Kunst machen wollen. 

Da ich als exzentrischer, androgyner, langhaariger Dreizehnjähriger mit scharfen Mützen und Puppenwagen oft mit Mobbing zutun hatte, begann ich sehr früh auf mich selbst zu vertrauen und immer weniger auf die Meinung Anderer zu geben. Die schlechten Noten im Kunstunterricht führten dann zwar dazu, dass ich nach dem Abitur trotzdem versuchte, etwas Bodenständiges zu werden, verhinderten jedoch trotzdem nicht, dass ich mich für angewandte Kunst einschrieb. Natürlich wurde ich abgelehnt.



 



Weil ich trotzdem schöne Dinge erschaffen wollte, machte ich eine Tischlerausbildung, reiste und schrieb mich noch mal ein. Diesmal klappte es!

Nach drei Monaten brach ich wieder ab.

Das Kunstunterricht-Trauma saß zu tief. Sobald mich einer der Dozenten anschrie, packte ich und zog nach Berlin um mein eigenes Ding zu machen. 

Ein Jahr nachdem ich angekommen war, fing ich in der Garage meiner Schwiegereltern an, wieder Kunst zu machen. Das fühlte sich so befreiend an und stieß auf so gute Resonanz, dass ich meinen damaligen Job auf zwei Tage die Woche begrenzte um mehr Zeit für die Kunst zu haben, wurde daraufhin gekündigt und mache seit dem Kunst an mindestens 5 Tagen die Woche, 10 Stunden pro Tag. 

Und das ist fantastisch.


WAS ICH MACHE

"schau mal was passiert, wenn man hier drüberschleift!"

Mit diesen Worten eines sehr guten Freundes fing alles an. Als wir sechzehn waren brachte er ein paar kleine Stücken Graffiti und Schleifpapier mit und wir schliffen einen ganzen Urlaub lang jeden Tag. Während er sich dem Medium immer mehr auf der Makroebene näherte, experimentierte ich in der Tischlerei immer mehr auf der Mikroebene. Ich versuchte immer größere Stücken von den Wänden zu lösen, immer präziser in der Verarbeitung in Möbeln zu werden und neue Alternativen zum Schleifen zu finden. 


     


In dieser Zeit war ich viel an Orten unterwegs, wo gesprüht wurde und kam mit den Menschen in Kontakt, die sich da an den Wänden ausgetobt haben. Immer mehr nahm der Gedanke Gestalt an, dass die Kunst die ich mache eine Hommage an diese Menschen ist. Jedes Bild symbolisiert auf monumentale Weise das Bedürfnis dieser Menschen, sich draußen in riesigen Dimensionen mit Farbe auszudrücken. Menschen, die sonst eher zurückhaltend, im Hintergrund leben. Die sich danach sehnen, gesehen zu werden. 

Also begann ich das in den Vordergrund meiner Arbeit zu stellen. Es ist mir wichtig, dass man in meinen Bildern sieht, wieviele Schichten Graffiti unter der Oberfläche liegen, wieviele Menschen hier einen Teil ihrer Fantasie, ihrer Geschichte reingesteckt haben. 

Erst dann beginne ich zu träumen. Ja, es ist wirklich wie träumen. Sobald der erste Schnitt gemacht ist, das Schleifpapier das erste Mal eine neue Farbe freigelegt hat, beginnt meine Fantasie zu rotieren. Was kommt als nächstes? Warum hat der oder die KünstlerIn hier damals genau die Farbe verwendet? Was fühle ich dabei und wie gehe ich damit um? Die Antworten, die mein Kopf in Sekundenbruchteilen oder Stunden später dazu findet, leiten meine Arbeit und ich tauche ab, wie ein Archäologe in Pompeii. 


 


So träume ich mich durch jedes meiner Werke und weiß oft am Ende nicht mehr, wie es eigentlich anfing. 

Meine Intention ist es, mit meiner Kunst die Menschen zu aktivieren. Sie sollen Stunden lang vor meinen Bildern sitzen und sich durch die Geschichten und Träumereien, die sie verkörpern angeregt fühlen, selbst wieder Teil von Geschichten zu werden. 

Alles ist Energie.